Pflanzliche Extrakte & Öle:
Exakte Dosierung und langanhaltende Wirkung
Pflanzliche Cannabisextrakte und ölige Lösungen gehören zu den am häufigsten
verordneten Rezepturarzneimitteln in der Cannabismedizin. Sie bieten eine
verlässliche, diskrete und vor allem exakt steuerbare Alternative zur Inhalation
von Blüten.
Was sind Cannabisextrakte?
Extrakte sind konzentrierte Wirkstoffauszüge aus der Cannabispflanze, die in der
Apotheke meist mit einem hochwertigen Trägeröl (wie z. B. MCT-Öl auf Kokosbasis
oder raffiniertem Erdnussöl) auf eine definierte Wirkstoffkonzentration
eingestellt werden.
Im Gegensatz zu unverarbeiteten Blüten sind Extrakte bezüglich ihres
Cannabinoidgehalts (z. B. genaue Milligramm-Angaben von THC und CBD pro
Milliliter) exakt standardisiert. Man unterscheidet dabei zwischen Vollspektrum-
Extrakten, die neben THC und CBD auch das natürliche Terpenprofil der Pflanze
enthalten, und gereinigten beziehungsweise isolierten Extrakten.
Anwendung: Einnahme über die Mundschleimhaut
Die Verabreichung von öligen Extrakten erfolgt in der Regel oral oder
sublingual:
• Sublinguale Einnahme: Die Tropfen werden mit einer Pipette oder einer
Dosierspritze unter die Zunge gegeben und dort für etwa 1 bis 2 Minuten
behalten, bevor sie heruntergeschluckt werden. Ein Teil der Wirkstoffe wird
dadurch direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen.
• Orale Einnahme: Die Einnahme kann auch direkt über Nahrungsmittel oder
Getränke erfolgen. Der Wirkstoff gelangt dann vollständig über den Magen-Darm-
Trakt in den Organismus.
Wirkung, Wirkeintritt und Wirkdauer
Da die Inhaltsstoffe den Verdauungstrakt passieren und in der Leber umgewandelt
werden (wo THC zum stärkere wirkenden 11-Hydroxy-THC metabolisiert wird),
unterscheidet sich das Wirkungsprofil deutlich von der Inhalation:
• Wirkeintritt: Verzögert nach etwa 30 bis 90 Minuten (je nachdem, ob die
Einnahme auf nüchternen Magen oder nach einer fettreichen Mahlzeit erfolgt).
• Wirkdauer: Sehr lange anhaltend, meist zwischen 6 und 8 Stunden.
• Wirkungscharakter: Gleichmäßige und konstante Wirkstoffabgabe ohne rasche
Anstiege oder Abfälle des Wirkstoffspiegels.
Vorteile im Versorgungsalltag
• Exakte Dosierbarkeit: Durch die flüssige Form lassen sich Extrakte tropfen-
oder millilitergenau an den individuellen Bedarf anpassen.
• Lange Abdeckung: Ideal für eine durchgehende Basisversorgung – beispielsweise
bei chronischen Dauerschmerzen, durchgehenden Spastiken oder zur Verbesserung
des Durchschlafens.
• Diskrete Anwendung: Die Einnahme erfordert keine Geräte wie Vaporizer und ist
geruchlos sowie unauffällig im Alltag durchführbar.
• Lungenschonend: Vollständig frei von Inhalationsbelastungen, was besonders für
Patienten mit Atemwegserkrankungen entscheidend ist.
Dosierung und Eindosierung (Titration)
Auch bei Extrakten gilt in der medizinischen Praxis das Prinzip „Start low, go
slow“. Die Therapie wird mit einer sehr geringen Dosis (oft nur wenige Tropfen
am Abend) begonnen und über mehrere Tage oder Wochen langsam gesteigert, bis der
gewünschte therapeutische Effekt bei minimalen Nebenwirkungen erreicht ist.
Stand: September 2026. Dieser Beitrag basiert auf praktischen Erfahrungen und medizinisch-rechtlicher Recherche. Er ersetzt keine rechtliche oder medizinische Einzelberatung.
